SHZ  - München  

 

 

 

 
Themen / Projekte

Modellprojekt Soziale Selbsthilfe

Prof. Dr. Burkhard Hill (Hochschule  München)
Cornelia Hönigschmid (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Eva Kreling (stellv. Geschäftsführung Selbsthilfezentrum)
Prof. Dr. Gabriela Zink (Hochschule München)
Klaus Grothe-Bortlik (Geschäftsführung Selbsthilfezentrum)

Im Modellprojekt Soziale Selbsthilfe werden Praxismodelle entwickelt und wissenschaftlich begleitet, die exemplarisch aufzeigen, wie soziale Arbeit in Institutionen in München Selbsthilfe und Selbstorganisation in die Arbeit einbeziehen kann. Grundlage ist der Empowermentansatz, der davon ausgeht, dass Menschen über Ressourcen und Kompetenzen verfügen, um eigenständig Themen und Probleme zu bewältigen.

Das Modellprojekt wird prozessorientiert entwickelt. Der Projektverbund besteht aus VertreterInnen der Hochschule München, des Selbsthilfezentrums München (SHZ) und einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin. Die Projektelemente werden im Projektverbund in regelmäßigen Sitzungen geplant, ausgewertet und weiter entwickelt. Der Projektverbund informiert und stimmt sich mit dem Sozialreferat in regelmäßigen Abständen ab.

Im Projektverbund ist die Perspektive der Praxisentwicklung durch das SHZ und die Perspektive der Fachwissenschaft Soziale Arbeit durch die Hochschule München vertreten. Beide Institutionen haben ihre Fragestellungen im nachfolgenden Papier als Leitlinie für die Projektdurch­führung zusammengestellt. 

Fragestellungen zur Sozialen Selbsthilfe aus Sicht des Selbsthilfezentrums 
 

Welche praxisorientierten Erkenntnisse und Ergebnisse erwartet das Selbsthilfezentrum nach Abschluss des Modellprojektes?  

  1. Bestehende Formen der Sozialen Selbsthilfe sollen klarer erfasst und nach außen besser darstellbar gemacht werden. 

  • Einerseits geht es um eine differenzierte Beschreibung und definitorische Einordnung der zu untersuchenden Angebote in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen: Dabei stehen Fragen im Vordergrund wie: Was wird angeboten? Welche Themen werden bearbeitet? Wer engagiert sich in welcher Form? Für welche sozialen Gruppen wird gearbeitet?

  • Andererseits soll das innovative Potential der Initiativen für die Stadt München untersucht und dargestellt werden. Fragestellungen hierzu sind: Welche besonderen Formen der Selbsthilfe haben sich entwickelt und in wie weit stellen diese eine sinnvolle Ergänzung bzw. Erweiterung der städtischen Angebote dar? 

  1. Es ist anzunehmen, dass die untersuchten neuen Formen der Sozialen Selbsthilfe auch neue Unterstüt­zungs­strategien notwendig machen. Für die konkrete praktische Arbeit des Selbsthilfezentrums verbinden sich damit unter anderem folgende Fragen: 

  • Reichen die derzeitigen Angebote des SHZ zur Unterstützung der sozialen Selbsthilfe aus oder braucht es zusätzliche Angebote (wie z.B. Patenschaftsmodelle, Vernetzungen, Anschubbegleitung usw. ...)?

  • Ist es notwendig, die bisherige Arbeitsweise des SHZ – Selbsthilfe da zu unterstützen, wo sie entsteht, hieraus „Trends“ abzuleiten und hinsichtlich ihrer Relevanz für die städtische Versorgungslandschaft zu überprüfen („Komm-Struktur“) – dahingehend zu erweitern, dass zukünftig auch verstärkt aktiv in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und anderen Institutionen Selbsthilfeinitiativen zu bestimmten Themen und für bestimmte Gruppen angeregt werden („Geh-Struktur“)?

  • Welche Personengruppen sollen aktiv angesprochen werden, um mit ihnen gemeinsam zu entwickeln, welche Anliegen sie in einer Gruppe oder Initiative eigenständig bearbeiten können? 

  1. In ein bis zwei Praxismodellen soll herausgearbeitet werden, wie eine soziale Institution Selbsthilfe und Selbstorganisation in ihre Aufgabenfelder verankern kann und welcher Nutzen für sie und das Klientel hieraus entsteht. Der Focus liegt hierbei auf Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen. 

  • Das SHZ unterstützt die Institution dabei, mit AdressatInnen gemeinsam Felder zu entwickeln, in denen Menschen eigenständig selbst bestimmte Themen in Selbsthilfe und Selbstorganisation bearbeiten.

  • Das SHZ unterstützt die Gruppengründung oder das Projekt und schafft notwendige Rahmen­bedingungen für die Selbsthilfestruktur.

 Ziel dieser Praxisbegleitung der Modellprojekte ist es u.a., Erkenntnisse über neue Formen der Unterstützung von Institutionen herauszuarbeiten, mit Hilfe derer in Zukunft auch soziale Einrichtungen dabei unterstützt werden können, Selbsthilfe und Selbstorganisation in ihrem institutionellen Rahmen verstärkt mit zu denken, mit zu initiieren und zu fördern. 
  

Fragestellungen zur Sozialen Selbsthilfe aus der Sicht der Hochschule München


Welche fachwissenschaftlichen Erkenntnisse zur Sozialen Selbsthilfe erwartet sich die Hochschule München für die Soziale Arbeit?

Das Modellprojekt des Selbsthilfezentrums und der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München sieht trotz der insgesamt sehr guten Versorgungslage einen Forschungs- und Entwicklungsbedarf im Bereich der so genannten Sozialen Selbsthilfe. München besitzt in diesem Handlungsfeld traditionell eine Spitzenposition. Daher halten wir es für angebracht, sich präventiv folgenden Problemstellungen zu widmen. 

  1. Wie kann das Verhältnis von Selbsthilfe und Fachkräften der Sozialen Arbeit gestärkt werden?

In der Sozialen Arbeit ist die Förderung von Selbsthilfe noch nicht so weit verankert, dass Fachkräfte die Selbsthilfe als unterstützendes Element im Hilfesystem selbstverständlich nutzen. Erfreulich ist, dass in zahlreichen Einrichtungen Münchens der Empowerment-Ansatz besonders betont wird (Bewohnertreffs, Alten-Service-Zentren, Sozialbürgerhäuser, Mehrgenerationenhäuser...). Unter diesem Gesichtspunkt steht es an, Modelle zu finden, wie Selbsthilfe durch professionelle Unterstützung gefördert werden kann, ohne dass Aktivitäten von AdressatInnen erstickt und Ressourcen verschüttet werden. Die Problemstellung tritt besonders dort auf, wo Menschen ohne professionelle Unterstützung anfangs nicht in der Lage sind, Probleme zu artikulieren, Handlungs­strategien zu entwickeln usw. Dieser Gesichtspunkt ist auch für das Selbstverständnis der Fachkräfte innerhalb der Selbsthilfe von Bedeutung: es geht um die Entwicklung von Kriterien für eine Kooperation von Fachkräften und Betroffenen. Darüber hinaus ist die Fragestellung von Interesse, ob es AdressatInnen gibt, die trotz der gut ausgebauten Versorgungslage keinen Zugang zu Selbsthilfe oder Bürgerschaftlichem Engagement finden.

  1. Hat sich das Selbstverständnis von Selbsthilfe verändert?

 In München ist ein zeitgemäßes Verständnis von Selbsthilfe etabliert, das weit über die individuelle Betroffenheit hinaus insbesondere auch die sozialen und räumlichen Bedingungen von Lebenslagen berücksichtigt. Bürgerschaftliches Engagement dient in diesem Zusammenhang als Dach und Ressource für alle Formen von Selbsthilfe, so dass der programmatische und sozialpolitische Rahmen breit aufgestellt ist. Dennoch ist aus der Perspektive der Akteure und AdressatInnen von Selbsthilfe festzustellen, dass sich im Selbstverständnis im Vergleich zu den 1970er und 1980er Jahren einiges geändert zu haben scheint. Unsere explorativen Erstergebnisse sowie die Fachliteratur verzeichnen eine zunehmend konsumorientierte und nutzenorientierte Haltung, weshalb besonders im Bereich der sozialen Selbsthilfe (Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Verschuldung, Vereinsamung usw.) die Artikulation von Problemstellungen durch Betroffene offenbar ausbleibt. These: während sich die sozialpolitischen und administrativen Rahmenbedingungen von Selbsthilfe zum Beispiel in München erheblich verbessert haben, gibt es auf Seiten der AdressatInnen offenbar zunehmend pragmatisch nutzenorientierte Haltungen, die das Engagement einschränken. Selbsthilfeförderung muss sich mit veränderten Strategien auf diese AdressatInnen einstellen. Das Modellprojekt will diesen Rahmen beleuchten und neue Entwicklungen anregen. 

  1. Welche Kompetenzen sind heute für ein Engagement im Selbsthilfekontext nötig?

 Gegenüber Selbsthilfe wird häufig der Einwand ins Feld geführt, sie sei mittelschichtsorientiert und schließe daher mögliche AdressatInnen aus. Es gibt inzwischen (auch für München) einige Belege, dass in Selbsthilfegruppen Menschen aus allen Schichten und Lebenslagen vertreten sind. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass spezifische Kompetenzen gefordert sind, die zur Inklusion oder Exklusion von AdressatInnen führen können: 

    • Sprach- und Reflexionskompetenz
    • Selbstwirksamkeitserfahrungen
    • materielle und Zeitressourcen
    • Zukunftsorientierung und Lebensplanung

Das Modellprojekt untersucht in der Fachliteratur und mittels eigener Erhebungen die geforderten Kom­pe­ten­zen, um in der Selbsthilfeförderung ggf. veränderte Zugänge, Angebotsformen und SH-Impulse geben zu können.

 

Ansprechpartner des Modellprojekts

 Hochschule München
 Prof. Dr. Burkhard Hill / Prof. Dr. Gabriela Zink,
 Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften / FK 11
 Am Stadtpark 20,
 81243 München-Pasing,
 
Tel.  089 / 1265-2311
Fax:  089 / 1265-2330
Mail:  hill@hm.edu
Mail:  gabriela.Zink@t-online.de
 
 Selbsthilfezentrum München
 Klaus Grothe-Bortlik und Eva Kreling
 Westendstraße 68
 80339 München

Tel.  089 / 532956-15   (Klaus Grothe-Bortlik)
Tel.  089 / 532956-20   (Eva Kreling)
Fax: 089 / 532956-49
Mail:  klaus.grothe-bortlik@shz-muenchen.de
Mail: eva.kreling@shz-muenchen.de